Herkunft & Haltung

Systematik und Herkunft

 

Unsere Hausmeerschweinchen (Cavia porcellus form. domestica) gehören zur Ordnung der Nagetiere und werden in die Gattung Echte Meerschweinchen eingegliedert. Dazu zählt man zudem noch das
Gemeine Meerschweinchen (Cavia aperea) und das Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii).
Die wilden Verwandten unseres Hausmeerschweinchens trifft man in weiten Teilen Südamerikas an.
Sie bewohnen Erdhöhlen, Felsspalten und verlassene Tierhöhlen im Hochgebirge der Anden, in kargen Steinlandschaften und im Flachland Perus bis hin über Teile Chiles und Boliviens sowie im Norden von Argentinien. Im Flachland Boliviens und im Regenwald sind sie allerdings nicht anzutreffen.

 

Das Tschudi-Meerschweinchen gilt als Stammform des Hausmeerschweinchens. Bereits vor 5.000 oder mehr Jahren begann die Domestikation in der Altiplano-Hochebene in Südost-Peru und West-Bolivien. Damals wie heute gilt das Meerschweinchen in Südamerika als wichtiger Fleischlieferant und dient zudem als Kultobjekt. Durch holländische Kaufleute gelangte das Hausmeerschweinchen im 16. Jahrhundert erstmals nach Europa, wo es bald zu einem beliebten Haustier wurde. Innerhalb der letzten Jahrzehnte haben sich zahlreiche Fell- und Farbrassen durch gezielte Zucht ausgebildet.  


Das Riesenmeerschweinchen, auch Cuy genannt, wird in Südamerika als Fleischlieferant in der Intensivmast gehalten. Es kann bis zu 4 kg schwer werden. Hierzulande ist es vereinzelt auch als Haustier beliebt, allerdings hat die Größe auch Auswirkungen auf Haltung und Gesundheit
(siehe Tierschutz).

 

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Haltung

 

1.) Überlegungen vor dem Kauf

Über folgende Dinge sollten Sie sich Gedanken machen, bevor Sie sich Meerschweinchen zulegen:

 

  • Die Lebenserwartung eines Meerschweinchens beträgt 5-8 Jahre. In dieser Zeit tragen Sie die Verantwortung für ihre Tiere. Auch wenn das Meerschweinchen für ein Kind gedacht ist, müssen die Eltern gelegentlich mithelfen.
  • Meerschweinchen bedürfen regelmäßiger Pflege, dies beinhaltet das Reinigen des Käfigs, das Kämmen und ggf. Verschneiden des Fells, das Kürzen der Krallen etc.
  • Pflege und Fütterung der Tiere müssen auch während ihres Urlaubs gewährleistet sein.
  • Im Krankheitsfall brauchen die Tiere eine adäquate Behandlung. Die Tierarztkosten können mitunter den finanziellen Wert des Meerschweines übersteigen. Scheuen Sie dennoch nicht den Gang zum Tierarzt, denn Meerschweinchen zeigen Krankheitssymptome häufig erst mit dem Voranschreiten einer Grunderkrankung und bedürfen mitunter einer umfassenden Therapie.

 

 

2.) Kinder und Meerschweinchen

Für Kinder eignen sich die kleinen Nager sehr gut als Weggefährten zum Erlernen von Verantwortung und Respekt gegenüber dem eigenen Haustier. Sie beißen eher nicht und wenn, dann meist, wenn man ihnen weh tut oder sie den Finger mit der Möhre verwechseln. Durch ihr ausgeprägtes Sozialverhalten und ihre vielen verschiedenen Pfeiftöne sind sie ausgezeichnete Beobachtertiere und können mit Geduld und Fürsorge durchaus auch an die menschliche Hand gewöhnt werden.

Wichtig ist es aber, dass auch die Eltern ein gewisses Interesse mitbringen, denn nicht allzu selten verlieren Kinder auch mal die Lust zur regelmäßigen Pflege. Dann müssen die Eltern unterstützend einspringen.

 

 

3.) Männchen oder Weibchen - was gehört zusammen?

Das Meerschweinchen ist ein soziales und geselliges Tier, das wenigstens einen Artgenossen braucht, um sich wohl zu fühlen.

MERKE: Ein Kaninchen kann diese Rolle NICHT übernehmen! Zwar können Meerschweinchen und Kaninchen zusammen gehalten werden, aber ihr Sozialverhalten unterscheidet sich zum Teil erheblich voneinander. Deswegen brauchen sowohl Meerschweinchen als auch Kaninchen einen Partner der jeweils eigenen Art. Außerdem sollten Rückzugsorte für die Schweinchen geschaffen werden, die für die Kaninchen unzugänglich sind.

 

Empfehlenswert ist die Haltung mindestens eines Weibchens mit einem kastrierten Böckchen.
Bei der Gruppenzusammenstellung sollte darauf geachtet werden, dass der Bock nicht zu jung ist und die Rolle als Haremsführer übernehmen kann. Bis zu fünf (teilweise auch mehr) Weibchen kann ein Harem umfassen, wobei das Böckchen seine Mädels umwirbt (sogenanntes brommseln) und eventuelle Zickereien schlichtet.

 

Möglich ist auch die Kombination zweier Böckchen. Am besten vergesellschaftet man ein junges Tier mit einem ausgewachsenen oder heranwachsenden Bock. Der Altersunterschied sollte mindestens 3 Monate betragen, sodass eine klare Rangfolge gewährleistet wird. Sind die Tiere hingegen im selben Alter, so können schwere Verletzungen infolge von Rangordnungskämpfen auftreten.

 

Auch eine reine Weibchengruppen ist denkbar, aber weniger empfehlenswert. Es kann häufiger zu Zickereien kommen und mitunter zeigt ein Weibchen typisch männliches Verhalten mit Brommseln, Aufreiten usw. Dies kann zu anhaltenden Stress führen.

 

Da sich junge Meerschweinchen am Verhalten der älteren orientieren, sollte man Babymeerschweinchen nicht isoliert aufwachsen lassen. Also am besten immer ein älteres Tier zu einem sehr jungen.

 

 

4.) Welcher Käfig soll es sein?

Bei der Käfiggröße kann man sich an den Vorgaben der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz orientieren, die eine Mindestgröße für 2 Tiere von 1,20m Breite x 0,6m Tiefe x 0,5m Höhe vorsieht. 

Das ergibt eine Grundfläche von 0,36m² pro Tier. Für jedes weitere Meerschwein sollte die Grundfläche
um 20% vergrößert werden. Wohl bemerkt handelt es sich hier um Mindestmaße!

Unter Meerschweinhaltern herrscht allerdings der Konsens, dass man 2 Tieren eine Fläche von 1m² zur Verfügung stellen sollte. Damit wird den Tieren ausreichend Bewegung gewährleistet und sie sind besser vor Verfettung und Abstumpfung geschützt. Übrigens kann man mit einer zweiten Etage und einer rutschfesten Rampe fast jeden kommerziellen Käfig aufpeppen und die Tiere nehmen das zusätzliche Platzangebot sicher gerne an.

Im Handel gibt es diverse Käfige mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen. Käfige mit einer Plasteunterschale sind leicht zu reinigen. Die Gitterstäbe, die den Käfig nach oben hin abschließen kann man nutzen, um eine zweite Etage zu befestigen. Diese Käfige gibt es übrigens auch mit Plexiglasscheiben, was natürlich ein besseres Beobachten der Tiere gewährleistet. Hitzestaus müssen allerdings vermieden werden.

Ställe aus Holz, besonders für die Außenhaltung, sind meist zu klein. Sie können aber durchaus auch mit etwas Kreativität und handwerklichen Geschick erweitert werden. Für handwerklich weniger begabte Menschen eignen sich Fertigregale aus Naturholz als Grundlage für einen selbstgebauten Stall. Im Internet gibt es viele schöne Anregungen.

 

 

5.) Welche Einstreu eignet sich?

Als Einstreu gibt es mittlerweile die verschiedensten Materialien wie z.B. Hobelspäne, Stroh, Hanf- oder Pelletstreu. Das verwendete Material sollte möglichst staubfrei und saugfähig sein. Für welche Einstreu man sich auch entscheidet, nasse Stellen sollten alle ein bis zwei Tage entfernt und eine Komplettreinigung einmal pro Woche durchgeführt werden. Tränken reinigt man am besten täglich mit einer Flaschenbürste, um der unschönen und unhygienischen Algenbildung vorzubeugen.

 

 

6.) Was ist ein geeigneter Platz für den Käfig?

Der Käfig sollte in einem zugfreien Raum aufgestellt werden, der außerdem trocken und relativ ruhig ist. Man bedenke auch, dass Meerschweine durchaus nachts aktiv sind - falls der auserkorene Platz im Kinderzimmer sein soll.

Meerschweinchen fühlen sich wohler, wenn man den Stall auf Tischhöhe positioniert. Direkt neben der Heizung sollte man den Käfig jedoch nicht stellen, da die trockene Luft Atemwegsprobleme hervorrufen kann.
Möchte man die Tiere in der Wohnung halten, so darf die Raumtemperatur 18-21°C nicht dauerhaft unterschreiten. Ausreichend Tageslicht sollte vorhanden sein, direkte Sonneneinstrahlung vertragen die Tiere allerdings nicht.

 

 

7.) Welche Einrichtung braucht das Meerschwein?

Stall und Außengehege müssen artgerecht eingerichtet werden. Im Zoofachhandel gibt es allerhand mehr oder weniger gut geeignetes Zubehör. So sind Plastikhäuser auf Grund der eingeschränkten Luftzirkulation nicht zu empfehlen. Besser haben sich Holzhäuser bewährt. Leider findet man kaum Häuschen mit zwei Eingängen, sodass hier häufig nachgebessert werden muss.

Im Internet hingegen gibt es hingegen viele private Anbieter, die selbstgebaute Häuser, Hängematten und Unterschlüpfe anbieten. Auch Tunnel aus Rinde werden von den Schweinchen gerne genutzt.
Als Grundausstattung dienen wenigstens ein Unterschlupf mit zwei Eingängen sowie mindestens eine Heuraufe und eine zweite Heustelle z.B. als Gitterball. Natürlich darf auch die Trinkflasche oder -schale nicht fehlen.

 

 

8.) Braucht das Meerschwein Freilauf?

Ein kontrollierter Freilauf wird von den Tieren gerne angenommen, bei entsprechenden Temperaturen auch im Außengehege an der frischen Luft. Bevor die Tiere auf die Wiese gesetzt werden, müssen sie aber mit Gras angefüttert werden, d.h. über wenigstens 10 Tagen steigende Mengen an Wiesengras erhalten.
Sonst kann es schnell zu Verdauungsstörungen kommen.

Das Außengehege muss rundherum vor Fressfeinden wie Marder, Waschbären und Katzen gut abgesichert sein und artgerecht und abwechslungsreich eingerichtet werden - auch mit Schattenplätzen. Dazu eignen sich z.B. Sonnensegel, Weidenbrücken, Rindenstücken oder Holztunnel aus ausgehöhlten Baumstämmen.
Aber Vorsicht: Giftige Pflanzen haben im Freigehege nichts zu suchen!

 

 

9.) Ist auch Außenhaltung möglich?

Auch bei der ganzjährigen oder saisonalen Außenhaltung muss den Meerschweinen ein gut isolierter Stall mit mehreren Unterschlüpfen und Futterplätzen zur Verfügung stehen. Außerdem sollte es für die Tiere Unterstände zum Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung und Nässe geben.

Damit sich die Tiere an die steigenden und sinkenden Tages- und Nachttemperaturen gewöhnen können, setzt man sie Mitte Mai bis spätestens September nach draußen bzw. wenn die Temperaturen 12-15°C
(auch nachts!) nicht unterschreiten.

Im Winter wird die frostfeste Schutzhütte, die für alle Tiere Platz bieten sollte, gut mit Stroh und Heu ausgepolstert. Nasse Stellen sind regelmäßig zu entfernen, damit die Tiere nicht krank werden. Die Temperatur in der Hütte darf nicht unter 0°C fallen. Ist es sehr kalt, kann ein Wärmekissen oder Snuggle Safe® untergelegt werden. Bitte holen sie die Tiere nicht kurzfristig ins Haus. Der plötzliche Temperaturwechsel kann zu Lungenentzündung und schlimmeren führen. Wasser darf im Winter nur in Schalen angeboten werden und muss bei Frost mehrfach täglich aufgebrochen bzw. gewechselt werden.

 

 

Zusammenfassend sollte man folgendes vermeiden:

 

•          einen raschen Wechsel zwischen Kälte und Wärme,

•          zu hohe oder geringe Luftfeuchtigkeit,

•          Zugluft,

•          nasse Einstreu,

•          Stress, z.B. infolge von Revierkämpfen in zu kleinen Käfigen.

 

Dr. Franziska Döbelt

Tierschutzbeauftragte